Alpine Schmankerl von Berchtesgaden bis Lindau
"Unter Extrembedingungen ist die Natur besonders reichhaltig" freut sich Albert Göttle über die Ergebnisse der Alpenbiotopkartierung. Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) wies heute auf die ungewöhnliche floristische Vielfalt der bayerischen Alpen hin: "Auf nur sechs Prozent der Landesfläche findet man 77 Prozent aller bayerischen Arten". Um dies zu erkunden, stiegen die Kartierer selbst in steile Hanglagen und auch an Felsabbrüchen wurden sie fündig. So konnten sie die höchste Pflanze Bayerns nachweisen: der Schweizer Mannsschild, der an der Südseite der Zugspitze auf fast 3.000 Metern Meereshöhe wächst. Auch im Schutt des Zugspitzplatts und im Vorfeld des Höllentalferners fanden die Botaniker eine Rarität: Sendtners Alpenmohn, der im Wettersteingebirge einen Verbreitungsschwerpunkt hat. Sogar neue Nachweise für die bayerischen Alpen gelangen, zum Beispiel vom Baldo-Windröschen, das vor allem in den Südalpen vorkommt und nach dem Monte Baldo über dem Gardasee benannt ist. Das Baldo-Windröschen wurde nun erstmals im Nationalpark Berchtesgaden gefunden. "Die Alpenbiotopkartierung liefert erstmals eine sehr detaillierte Grundlage für die Beurteilung und Abwägung zum Beispiel zur Verträglichkeit von Baumaßnahmen in den Tallagen oder von Schafbeweidung in Hochlagen. Aber auch die Forschung zur Wirkung des Klimawandels auf die Vegetation profitiert von dieser soliden Datenlage", so Göttle. Zwischen 1991 und 2007 wurden über 7.500 Biotope mit 23.000 Einzelflächen erfasst. Dafür hat der Freistaat Bayern rund vier Millionen Euro ausgegeben. Derzeit wird an Zusammenfassungen für Landkreise mit Alpenanteil gearbeitet. Bis Sommer 2010 sollen alle zehn betroffenen Landkreise bearbeitet werden. Die Alpenbiotopkartierung ist die erste umfassende Darstellung der bayerischen Alpenflora und ihrer Gefährdungen.
Klein aber fein ist der Anteil Bayerns an den Alpen: Zwar nimmt der Alpenraum mit 4.200 Quadratkilometern nur einen geringen Teil der Fläche ein, durch die vielfältige Landschaft zwischen Berchtesgaden und Lindau birgt er jedoch die reichste Naturausstattung. Vielfältigste geologische Formationen und Höhenlagen schaffen kleinräumig ein enormes Mosaik an Standorten. Das ist die Basis für eine Vielfalt, wie man sie andernorts kaum findet. Hinzu kommt die randliche Lage im Alpenbogen: Hier treffen sich Arten aus dem Flachland und aus der Bergregion, westlich und östlich verbreitete Arten, auch Vorposten von Südalpen-Arten kommen hier vor - ein enormer floristischer Reichtum ist die Folge. Die bayerischen Alpen sind daher sogar europaweit ein Zentrum der Artenvielfalt. So ist die Gegend um die Rotwand im Mangfallgebirge aufgrund ihrer geologischen Formation ein Vorzeigegebiet für die floristische Artenvielfalt. In den Allgäuer Alpen endet vom Westen her das Vorkommen des Purpurenzians und am Wendelstein hat die Alpen-Glockenblume von Osten her ihren westlichsten Vorposten. Rund ein Dutzend Biologen waren für die Alpenbiotopkartierung eingesetzt. Sie wird vom LfU koordiniert und veröffentlicht.
Sendtners Alpenmohn ist nach dem Münchner Botaniker Otto Sendtner benannt, der einer der ersten und bedeutendsten Erforschern der Flora der bayerischen Alpen war. Mitte des 19. Jahrhunderts erstellte Sendtner die erste zusammenfassende Würdigung der bayerischen Alpenflora.
Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt
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