Alpine Schmankerl von Berchtesgaden bis Lindau

16.12.2009 | Augsburg
Alpenbiotopkartierung bringt zahlreiche Neubeschreibungen alpiner Pflanzenarten / Startschuss für kompakte Zusammenfassung von Landkreisen mit Alpenanteil

"Unter Extrembedingungen ist die Natur besonders reichhaltig" freut sich Albert Göttle über die Ergebnisse der Alpenbiotopkartierung. Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) wies heute auf die ungewöhnliche floristische Vielfalt der bayerischen Alpen hin: "Auf nur sechs Prozent der Landesfläche findet man 77 Prozent aller bayerischen Arten". Um dies zu erkunden, stiegen die Kartierer selbst in steile Hanglagen und auch an Felsabbrüchen wurden sie fündig. So konnten sie die höchste Pflanze Bayerns nachweisen: der Schweizer Mannsschild, der an der Südseite der Zugspitze auf fast 3.000 Metern Meereshöhe wächst. Auch im Schutt des Zugspitzplatts und im Vorfeld des Höllentalferners fanden die Botaniker eine Rarität: Sendtners Alpenmohn, der im Wettersteingebirge einen Verbreitungsschwerpunkt hat. Sogar neue Nachweise für die bayerischen Alpen gelangen, zum Beispiel vom Baldo-Windröschen, das vor allem in den Südalpen vorkommt und nach dem Monte Baldo über dem Gardasee benannt ist. Das Baldo-Windröschen wurde nun erstmals im Nationalpark Berchtesgaden gefunden. "Die Alpenbiotopkartierung liefert erstmals eine sehr detaillierte Grundlage für die Beurteilung und Abwägung zum Beispiel zur Verträglichkeit von Baumaßnahmen in den Tallagen oder von Schafbeweidung in Hochlagen. Aber auch die Forschung zur Wirkung des Klimawandels auf die Vegetation profitiert von dieser soliden Datenlage", so Göttle. Zwischen 1991 und 2007 wurden über 7.500 Biotope mit 23.000 Einzelflächen erfasst. Dafür hat der Freistaat Bayern rund vier Millionen Euro ausgegeben. Derzeit wird an Zusammenfassungen für Landkreise mit Alpenanteil gearbeitet. Bis Sommer 2010 sollen alle zehn betroffenen Landkreise bearbeitet werden. Die Alpenbiotopkartierung ist die erste umfassende Darstellung der bayerischen Alpenflora und ihrer Gefährdungen.

Klein aber fein ist der Anteil Bayerns an den Alpen: Zwar nimmt der Alpenraum mit 4.200 Quadratkilometern nur einen geringen Teil der Fläche ein, durch die vielfältige Landschaft zwischen Berchtesgaden und Lindau birgt er jedoch die reichste Naturausstattung. Vielfältigste geologische Formationen und Höhenlagen schaffen kleinräumig ein enormes Mosaik an Standorten. Das ist die Basis für eine Vielfalt, wie man sie andernorts kaum findet. Hinzu kommt die randliche Lage im Alpenbogen: Hier treffen sich Arten aus dem Flachland und aus der Bergregion, westlich und östlich verbreitete Arten, auch Vorposten von Südalpen-Arten kommen hier vor - ein enormer floristischer Reichtum ist die Folge. Die bayerischen Alpen sind daher sogar europaweit ein Zentrum der Artenvielfalt. So ist die Gegend um die Rotwand im Mangfallgebirge aufgrund ihrer geologischen Formation ein Vorzeigegebiet für die floristische Artenvielfalt. In den Allgäuer Alpen endet vom Westen her das Vorkommen des Purpurenzians und am Wendelstein hat die Alpen-Glockenblume von Osten her ihren westlichsten Vorposten. Rund ein Dutzend Biologen waren für die Alpenbiotopkartierung eingesetzt. Sie wird vom LfU koordiniert und veröffentlicht.

Sendtners Alpenmohn ist nach dem Münchner Botaniker Otto Sendtner benannt, der einer der ersten und bedeutendsten Erforschern der Flora der bayerischen Alpen war. Mitte des 19. Jahrhunderts erstellte Sendtner die erste zusammenfassende Würdigung der bayerischen Alpenflora.

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt

Dieser Beitrag wurde bisher 89 mal gelesen.
(Rang 320 auf landwirtschaft-und-politik.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Neuer Windpark bei Polch versorgt 6.000 Haushalte mit sauberem Strom

25.04.2012 | pfalzwind GmbH bringt fünf Windräder nach nur vier Monaten Bauzeit ans Netz. Wichtiger Beitrag zur...

weiter in Neuer Windpark bei Polch versorgt ...

Media Alert: Yahoo! Mail jetzt auch auf dem iPad

22.11.2011 | Nachdem vor einem Monat bereits die Yahoo! Homepage für das Tablet vorgestellt wurde, folgt nun die spezielle...

weiter in Media Alert: Yahoo! Mail jetzt auch ...

Einheitliche internationale Lebensmittel-Standards für Bekämpfung von Unterernährung bei Kindern

18.11.2011 | Codex-Komitee für Ernährung und diätetische Lebensmittel berät über weltweite Richtlinien für Lebensmittel für...

weiter in Einheitliche internationale ...

Urlaub im Rhythmus der Natur: Mit gutem Gewissen die niedersächsische Nordsee genießen

14.10.2011 | Klimaschutz, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit prägen seit langem den Tourismus an der niedersächsischen...

weiter in Urlaub im Rhythmus der Natur: Mit ...



Aktuelles

Geschenke für Mitarbeiter

In jedem Unternehmen bieten sich Gelegenheiten, bei denen...

weiter ...

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt im Januar...

weiter ...

Neuigkeiten

Neuer Windpark bei Polch versorgt 6.000 Haushalte mit sauberem Strom

pfalzwind GmbH bringt fünf Windräder nach nur vier Monaten...

weiter ...

Media Alert: Yahoo! Mail jetzt auch auf dem iPad

Nachdem vor einem Monat bereits die Yahoo! Homepage für das...

weiter ...

Weitere Themen

Windenergienutzung im Wald

Fachseminar vermittelt fundierte Kenntnisse über...

weiter ...

Reißfest, wasserdicht und kompostierbar: die Biomülltüte aus Ecovio

Bioabbaubarer Kunststoff hat sich im Praxistest bewährt

weiter ...

Verschiedenes

Vom Stall in die Gasleitung

Biogasanlage Barleben vergärt überwiegend Schweinegülle und...

weiter ...