Bedroht: Walschutz im Südpolarmeer
Auf der Konferenz wird auch über einen Kompromissvorschlag beraten, der eine begrenzte Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs in antarktischen Gewässern vorschlägt. Das Südpolarmeer wurde 1994 zum Walschutzgebiet erklärt, allerdings betreibt Japan dort weiterhin Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken.
"Wenn es auf der Welt einen Ort gibt, wo Wale unbedingt geschützt werden müssen, ist es das Südpolarmeer", sagt Volker Holmes, Artenschutzexperte beim WWF. "Die fundamentalste Verantwortlichkeit der Walfangkommission besteht darin, jeglichen Walfang in diesen Gewässern zu unterbinden". Einige der stark geschrumpften Großwalpopulationen wie von Seiwal oder Finnwal der südlichen Hemisphäre sind für die Nahrungssuche vollständig auf die antarktischen Meeresregion angewiesen. Würden diese Populationen weiter dezimiert, könnten sie auch aus den Gewässern etlicher anderer Länder in Afrika, Lateinamerika, den Pazifischen Inseln verschwinden. Mehr als 200.000 Südliche Blauwale lebten im Südpolarmeer, bevor sie im zwanzigsten Jahrhundert massiv bejagt wurden. Nach jüngsten Schätzungen ist die Population auf etwa 2.300 Tiere geschrumpft. Etwa 725.000 Finnwale sind dem kommerziellen Walfang zum Opfer gefallen, die Art wird mittlerweile auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt. Der WWF kritisiert, dass die IWC dennoch vorschlägt, die kommerzielle Jagd auf diese Art wieder offiziell zuzulassen. "In diesem Jahr besteht die Chance, die Blockade zwischen Walfang- und Walschutzstaaten innerhalb der Walfangkommission aufzulösen. Grünes Licht für Walfang im Südpolarmeer und auf bedrohte Arten wäre jedoch ein großer Rückschritt für den Walschutz", so Volker Homes weiter.
Aufgrund der langsamen Reproduktionszyklen haben sich viele Walarten noch immer nicht von den dramatischen Bestandsrückgängen durch den kommerziellen Walfang bis 1986 erholt. Nach Angaben des WWF sind die Meeressäuger jedoch zunehmenden Bedrohungen wie Klimawandel, Meeresverschmutzung und einem steigenden Risiko von Schiffskollisionen ausgesetzt. Größter Bedrohungsfaktor ist dabei die Fischerei: Schätzungsweise 300.000 Wale, Delfine und Tümmler sterben jährlich als Beifang in Schleppnetzen und anderen Fanggeräten
Eine Studie von WWF und WDCS hat gezeigt, dass Walfang ein unprofitabler Wirtschaftszweig ist und durch Subventionen gestützt wird. Durch eine Erholung der Walbestände entsteht insbesondere dem Tourismussektor signifikanter wirtschaftlicher Nutzen: Allein in Lateinamerika werden ca. 225 Millionen Euro jährlich durch touristische Walbeobachtungen erwirtschaftet.
Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland
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