Die Gelbhalsmaus erobert das Münsterland
Fast unbemerkt hat eine neue Säugetierart weite Teile Westfalens besiedelt. Die Gelbhalsmaus hat sich innerhalb weniger Jahre nicht nur im Süden und Osten Westfalens, sondern auch über das gesamte Münsterland ausgebreitet, wie Forscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) herausgefunden haben.
Die Gelbhalsmaus ist zwar in Europa weit verbreitet, jedoch waren die nördlichen und westlichen Landesteile Westfalens und die angrenzenden Niederlande bis vor kurzem noch unbesiedelt. "Die Ausbreitung nach Nordwesten findet im Moment wohl schon auf dem Gebiet der Niederlande statt", sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Zoologe am LWL-Museum für Naturkunde in Münster.
Kriegs hat in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Säugetierkunde in Westfalen und Studenten der Universität Münster die Maus auf indirekte Weise nachgewiesen. "Wir untersuchen Knochenreste in Gewöllen, den unverdaulichen Nahrungsresten der Schleiereule. Die Eulen sind nämlich bei weitem besser darin, die Mäuse aufzuspüren und zu fangen als wir Menschen es können."
Die Mäuserart kam ursprünglich nur in zusammenhängenden Waldgebieten der Mittelgebirge vor. So zeigt ein Blick in das Buch "Die Säugetiere Westfalens" aus dem Jahre 1984, dass die Gelbhalsmaus damals nur in den südlichen und östlichen Landesteilen verbreitet war. Warum sich die Gelbhalsmäuse ausgebreitet haben und ob dies womöglich Auswirkungen auf die Bestände der Waldmaus hat, ist noch vollkommen unklar. Künftige Studien sollen aber klären.
Die Waldmaus, eine nah verwandte Art, besiedelte trotz ihres Namens nicht nur Wälder, sondern auch unbewaldete Gebiete in ganz Westfalen. Seit Mitte der 1990er Jahre ist bekannt, dass die Gelbhalsmaus ihr Verbreitungsgebiet nach Nordwesten erweitert. Damals lag die Verbreitungsgrenze schon entlang einer quer durch Westfalen verlaufenden Linie.
Der Nager hat relativ große, runde Ohren und große, hervorstehende Knopfaugen. Das zur Familie der Langschwanzmäuse gehörende Tier ist etwa zehn Zentimeter lang und hat einen ebenso langen Schwanz. Ihren Namen verdankt die Gelbhalsmaus einem gelblichbraunen Brustband auf der ansonsten weißen Unterseite. Die nachtaktiven Tiere sind gute Kletterer und gelangen so bis in die Spitzen von Bäumen. Sie gelten als "Allesfresser", da ihre Nahrung von Samen über Früchte und Insekten bis hin zu kleinen Wirbeltieren und Eiern reicht
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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