LGL-Jahresbericht 2008: Risiken vorausschauend erfassen, fachliche Kompetenzen weiterentwickeln

09.07.2009 | Erlangen
Rund 77.000 Proben von Lebensmitteln, Bedarfgegenständen, Kosmetika und Tabakprodukten nahmen die Lebensmittelüberwacher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 2008 unter die Lupe

Dies geht aus dem am 9. Juli 2009 im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit vorgestellten Jahresbericht der bayerischen Fachbehörde für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärmedizin und Arbeitsschutz hervor. Rund 12 Prozent der Proben mussten dabei beanstandet werden, der Großteil davon wegen einer fehlerhaften Kennzeichnung: "Die allerwenigsten Proben, nur 0,5 Prozent, fielen wegen möglicher gesundheitsschädlicher Wirkung durch. Meist wurden Pflichtangaben wie das Mindesthaltbarkeitsdatum weggelassen oder irreführende Werbeaussagen getätigt.", erläutert Dr. Markus Schick, Vizepräsident des Amtes. "Im Sinne eines bestmöglichen Verbraucherschutzes gilt es, Risiken möglichst vorausschauend zu erfassen. Wir untersuchen deshalb stets risikoorientiert, das heißt, wir schauen bei Auffälligkeiten oder schlechten Erfahrungen mit einem Unternehmen oder einem Lebensmittel doppelt genau hin. Die Zahl der Beanstandungen ist daher nicht repräsentativ für das Marktangebot, sondern größer als das reelle Ausmaß der Verstöße", so Schick. Mit dem Ziel Verbraucherinnen und Verbraucher vor Gefahren, Irreführung und Täuschung zu schützen, setzt die bayerische Fachbehörde neben den routinemäßigen Probenentnahmen auch auf gezielte Schwerpunktuntersuchungen.

Ein regelmäßiger Schwerpunkt war auch 2008 die Untersuchung von Obst und Gemüse auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Die Lebensmittelchemiker des LGL analysierten 1.785 Proben frisches Obst und Gemüse, davon rund 300 Bio-Proben. Mehr als 80 Prozent der ökologisch erzeugten Obst- bzw. Gemüseproben wiesen keinerlei Rückstände auf, im Vergleich dazu enthielten 89 Prozent der Obst- und 75 Prozent der Gemüseproben aus konventionellem Anbau Rückstände, davon aber nur 6 bzw. 7 Prozent Höchstmengenüberschreitungen. "Der Anteil an rückstandsfreien Proben hat in den letzten Jahren zugenommen, Proben mit Höchstmengenüberschreitungen sind weniger geworden. Eine erfreuliche Bilanz, welche die Bedeutung einer effektiven und effizienten amtlichen Lebensmittelüberwachung deutlich macht.", fasst Schick die Ergebnisse zusammen.

Die Laborkompetenz des LGL resultiert auch aus zahlreichen anwendungsorientierten Forschungsprojekten. Eines der über 100 am LGL 2008 durchgeführten Forschungsprojekte beschäftigte sich mit dem Allergennachweis in Lebensmitteln: So entwickelte und etablierte das LGL ein molekularbiologisches Nachweisverfahren für Lupine sowie eine Multi-Analyt-Methode, mit der ein zeit- und kostensparendes Screening auf acht verschiedene Nussarten, Sesam und Erdnuss in einem Arbeitsgang durchgeführt werden kann. Dies ist notwendig geworden, da Lebensmittelallergien z.B. auf Soja-, Milch- und Fischerzeugnisse oder auf Schalenfrüchte weltweit auf dem Vormarsch sind.

Wissenschaftliche und anwendungsorientierte Expertise wird am LGL auch im Gesundheitsschutz groß geschrieben. Das bundesweit anerkannte Modell des Neugeborenenscreenings sichert mit Beteiligung des LGL einen im internationalen Vergleich unerreicht hohen Standard in der Vorsorgeuntersuchung für alle in Bayern geborenen Babys. Ein Aspekt dieser Vorsorge ist das Neugeborenen-Hörscreening, welches Hörstörungen rechtzeitig aufdeckt und Schäden in der kindlichen Entwicklung damit vorbeugt. Ein weiteres Kompetenzzentrum der Fachbehörde für Gesundheit ist das Nationale Referenzzentrum für Borrelien, welches seit dem 1. Januar 2008 am LGL angesiedelt ist. Neben fachlicher Beratung für diagnostische Laboratorien, klinisch tätige Ärzte und Bürger forscht das LGL hier auch intensiv in Kooperationsstudien zur Lyme-Borreliose.

Weitere Informationen zu den Tätigkeiten des LGL und den Bericht mit allen Untersuchungsergebnissen und Themen, die die Fachbehörde 2008 beschäftigt hat, finden Sie unter http://www.lgl.bayern.de .

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

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