Sieben Jahre nach der großen Flut: Was haben wir daraus gelernt?

11.08.2009 | München
Neun von zehn Bürgern aus Sachsen und Sachsen-Anhalt können sich noch gut an die Elbe-Flut 2002 erinnern. Wie sicher fühlen sich die Menschen dort heute? Was haben wir alle daraus gelernt? Die Allianz Deutschland hat nachgefragt. Fazit: Das Risikobewusstsein sinkt drastisch - mehr Aufklärung ist dringend geboten.

Im August 2002 starben in Mittel- und Osteuropa 400 Menschen durch verheerende Überschwemmungen, Hunderttausende verloren ihr Hab und Gut. Eine Jahrhundertkatastrophe. In Deutschland waren mehr als 340.000 Menschen betroffen. Besonders in Sachsen und Sachsen-Anhalt: Ganze Dörfer wurden überflutet. Tagelang kein Strom, kein Wasser, kein Telefon. Allein das Rote Kreuz hatte bis zu 3.000 Einsatzkräfte vor Ort. 90 Prozent der Menschen in den betroffenen Regionen können sich noch gut an das Hochwasser erinnern, wie eine aktuelle Umfrage der Allianz Deutschland ergab.

Gefühlte Bedrohung geht stark zurück

Doch sieben Jahre nach der großen Flut glaubt nicht einmal jeder Dritte der Befragten, dass es an seinem Wohnort zu einer Überschwemmung kommen könnte. "Die gefühlte Bedrohung steigt nach Ereignissen wie dem Jahrhunderthochwasser zunächst sehr stark an. Wir erhielten damals deutlich mehr Anfragen nach Versicherungsschutz", sagt Olav Bogenrieder, Leiter Sachversicherung und Klimaexperte der Allianz. Je weiter das Ereignis zurückliege, desto geringer werde das Risikobewusstsein: "Kaum sind die sichtbaren Schäden beseitigt, geht das Interesse spürbar zurück." In Sachsen und Sachsen-Anhalt haben lediglich 22,9 Prozent der befragten Eigenheimbesitzer ihr Haus durch bauliche Maßnahmen besser vor Überschwemmungen geschützt. Weniger als die Hälfte haben eine Elementarversicherung abgeschlossen.

Dabei geben Klimaforscher und Versicherer keine Entwarnung: Weltweit sind die wetterbedingten Versicherungsschäden in den letzten 30 Jahren auf das Fünfzehnfache gestiegen. "Auch in Deutschland haben Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen deutlich zugenommen", sagt Bogenrieder. Schon im Sommer 2006 war die Elberegion wieder von Hochwasser betroffen.

Bürger kennen Notfallnummern nicht

Ob Naturgefahren wie Überschwemmungen und Stürme, ob mehrtägige Stromausfälle oder Epidemien - 28 Prozent der Deutschen wissen nicht, was in einem Katastrophenfall zu tun ist und an welche Anlaufstellen sie sich wenden können. In Sachsen und Sachsen-Anhalt hat sogar nur jeder Fünfte entsprechende Notfallnummern zu Hause parat.

Die Menschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt haben überwiegend "mittelmäßiges" Vertrauen in die Hilfsorganisationen, wobei signifikant mehr Männer ein großes Vertrauen haben als Frauen. Jüngere Menschen verlassen sich eher auf die Katastrophenhilfe als ältere.

Wenig Verständnis für Einsatzübungen

"Beim Katastrophenschutz hat sich in Sachsen viel verbessert", betont Robert Rausch vom Katastrophenschutz des DRK Landesverbands. Die Organisationen haben jetzt Zugang zu den Unwetter- und Hochwasserwarnsystemen, es gibt zentrale Service-Nummern und die Einsatzübungen wurden verstärkt. "Leider hat die Bevölkerung dafür bisweilen wenig Verständnis", sagt Rausch. "So beschweren sich bei Luftrettungsübungen manche über den Lärm und sind sich nicht bewusst, dass sie selbst vielleicht einmal gerettet werden müssen."

Deshalb fordern die Experten, die Bevölkerung aufzuklären und die Eigenverantwortung von Bürgern, Unternehmen und Kommunen zu stärken.

Bereits 2008 hatte die Allianz in ihrer deutschlandweiten Studie "Katastrophenschutz auf dem Prüfstand" untersucht, inwieweit der historisch entstandene Katastrophenschutz in Deutschland aktuellen Risiken gewachsen ist. Das Ergebnis: Nur mit besserem Bewusstsein für die Risiken lassen sich die Folgen von Katastrophen mindern.

Quelle: Pressemeldung Allianz Deutschland AG

Dieser Beitrag wurde bisher 61 mal gelesen.
(Rang 617 auf landwirtschaft-und-politik.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Geschenke für Mitarbeiter

13.03.2012 | In jedem Unternehmen bieten sich Gelegenheiten, bei denen die Mitarbeiter beschenkt werden können, so zum...

weiter in Geschenke für Mitarbeiter ...

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen

16.11.2011 | Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt im Januar 2012 folgende Kongresse und Tagungen:

weiter in DFG unterstützt Kongresse und ...

Mit Großgeräten Biomarkern und Signalstoffen auf der Spur

24.10.2011 | In den Lebenswissenschaften spielen bildgebende Verfahren wie zum Beispiel die Mikroskopie eine zentrale...

weiter in Mit Großgeräten Biomarkern und ...

Weinfreunde erwartet toller Jahrgang

18.10.2011 | Die deutschen Weinerzeuger freuen sich über einen sehr guten Jahrgang 2011, der in nahezu allen Anbaugebieten...

weiter in Weinfreunde erwartet toller ...

Verleihung des hessischen Ökopreises an Armin Trube

16.06.2011 | "Wir freuen uns sehr, die Ehrenplakette in Bronze an Armin Trube zu verleihen. Er ist eine herausragende...

weiter in Verleihung des hessischen ...



Aktuelles

Geschenke für Mitarbeiter

In jedem Unternehmen bieten sich Gelegenheiten, bei denen...

weiter ...

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt im Januar...

weiter ...

Neuigkeiten

Neuer Windpark bei Polch versorgt 6.000 Haushalte mit sauberem Strom

pfalzwind GmbH bringt fünf Windräder nach nur vier Monaten...

weiter ...

Media Alert: Yahoo! Mail jetzt auch auf dem iPad

Nachdem vor einem Monat bereits die Yahoo! Homepage für das...

weiter ...

Weitere Themen

Windenergienutzung im Wald

Fachseminar vermittelt fundierte Kenntnisse über...

weiter ...

Reißfest, wasserdicht und kompostierbar: die Biomülltüte aus Ecovio

Bioabbaubarer Kunststoff hat sich im Praxistest bewährt

weiter ...

Verschiedenes

Vom Stall in die Gasleitung

Biogasanlage Barleben vergärt überwiegend Schweinegülle und...

weiter ...